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Mängel am Karabiner 31, Verschlusshülsen, Spannriegel, Bajonett (Erstellt: 25.06.2024)

Zusammenfassung
Die in diesem Beitrag diskutierten Mängel sind gemäss Expertenkommissionen aus den 1950er Jahren vorhanden. Mängel können jedoch an allen Waffen, je nach Belastung und Alter, auftreten. Jede Waffe muss regelmässig einer visuellen Kontrolle unterzogen werden!
 
Beim Karabiner 31 sind dabei, gemäss den Berichten (vgl. Anhang), folgende Punkte besonders zu beachten:
- Verschlusshülsen: Stauchungen
- Verschlusshülsen: Haarrisse an den Verschlusswarzen
- Spannstollen des Verschlussriegels: Risse bzw. Abbrüche
 
Bei Karabiner 31 im Nummernbereich zwischen 750000 und 850000 (Anm. des Autors: vermutlich bis 860000), welche aktiv geschossen werden, ist zu prüfen, ob die Verschlusshülse bereits im Rahmen einer Inspektion ersetzt wurde (d.h. Nummerierung mit Elektroschreiber). Dies gilt für Hülsen aus Ersatzmaterial ("Mo"), aber auch für Hülsen aus "normalem" Material ("CN")! Dies, weil auch ein Teil der "CN"-Hülsen in diesen Nummernbereichen aus Versehen ungenügend gehärtet wurden (siehe hier das Resultat einer Verschlusshülse mit der Nummer 785750: Bild).
 

Mängel am Karabiner 31
 
Mitte der 1950er Jahren haben sich diverse Expertenkommissionen mit Verbesserungen am Karabiner 31 befasst. Grund dafür waren einige Mängel, welche sich mit der Zeit gezeigt haben. Damals setzten sich die Schweizer Waffenindustrie und der Bund sehr hohe Qualitätsziele.
 
Im Schweizerischen Bundesarchiv finden sich zu diesem Thema diverse Dokumente. Dieser Beitrag basiert zum grössten Teil auf diesem Dokument: Anhang
 
Kurz aufgelistet wurden Verbesserungen für folgende Mängel diskutiert:
- M1: Brüche am Spannstollen des Verschlussriegels
- M2: Gestauchte Verschlusshülsen
- M3: Risse an den Verschlusswarzen der Verschlusshülsen
- M4: Dolchbajonette bzw. Dolchhaken
 

Mangel M1: Brüche am Spannstollen des Verschlussriegels
Der Spannstollen des Verschlussriegels neigte dazu zu brechen. Ist dies der Fall, kann es zu Unfällen mit Personenschäden kommen. Bis 1937 wurden die Verschlussriegel (Riegelgriff, Riegelschieber) aus Stahl gepresst, nicht gehärtet und nicht brüniert (= blank). Ab 1937 wurden Riegelgriffe aus Stahlblech gestanzt, gehärtet und brüniert montiert. Die Brüche des Spannstollens können bei beiden Versionen auftreten, je nach Behandlung des Karabiners und der Schusszahl. Bereits hergestellte blanke Riegelgriffe wurden übrigens teilweise bei privaten Karabiner 31 aufgebraucht.
 
Mangel M2: Gestauchte Verschlusshülsen, M3: Risse an den Verschlusswarzen
In den Kriegsjahren wurden gezwungenermassen und bewusst sogenannte Ersatzmaterialien eingesetzt (siehe Anhang, Seite 6, Frage 4b sowie Seite 8, Frage 8a). Bei verschiedenen Teilen kam Chrommolybdän-Stahl (Markierung Mo) anstelle des Chromnickel-Stahl (Markierung CN) zum Einsatz. Bei der Verschlusshülse, dem Teil, welches am Stärksten beansprucht wird, konnte dies zu Problemen führen, insbesondere zu Stauchungen und zu Rissen.
 
Der Bericht (siehe Anhang, Seite 6, Frage 4b) gibt die Antworten für die Probleme:
1. Während des Krieges musste Ersatzstahl verwendet werden, welcher wegen seiner Neigung zur Sprödigkeit in der Festigkeit niedrig gehalten werden musste. Die W+F verlangte 1946 von der KMV, dass die zu weichen Hülsen ausgetauscht werden müssten.
2. Hülsen, aus dem normal verwendeten Stahl, welche zufolge Verwechslung der Materialbezeichnung nicht richtig gehärtet wurden.

 
Auch im Bericht (siehe Anhang, Seite 6, Frage 5, ganz unten) steht folgender Abschnitt:
"Die während dem Kriege mit Ersatzstahl fabrizierten Hülsen wurden in den Karabinern mit den Nr. ca. 750000 - 850000 verwendet. Diese Hülsen wurden seinerzeit absichtlich zu weich gehärtet, da man eher eine Hülse auswechseln wollte als den Bruch eines Riegels zu riskieren. Zu weiche und deshalb gestauchte Hülsen können zum Klemmen des Verschlusses führen. Sie müssen ausgetauscht werden. Beim Austausch muss ebenfalls die Patronenlagertiefe kontrolliert werden, was allenfalls den Rückschub des Karabiners in ein Zeughaus erfordert. Es wird notwendig sein, die mit Ersatzstahl fabrizierten Hülsen bei Defekten grosszügig auszutauschen."
 
Der Bericht gibt jedoch auch an (siehe Anhang, Seite 8, Frage 8a), dass "Die damit hergestellten Hülsen (...) kriegsgenügend" waren, "denn sie haben trotz aufgetretener Deformationen grosse Schusszahlen ausgehalten".
 
Der Bericht weist folglich aus, dass sowohl Mo-Hülsen als auch CN-Hülsen in den Bereichen 750000 bis 850000 (Anm. des Autors: vermutlich bis 860000) von zu weicher Härtung betroffen sind! Dies kann sich in Stauchen der Hülse oder mit Haarrissen bei den Verschlusswarzen äussern, je nach Gebrauch und Schusszahlen. So etwas in der geschilderten Art muss der CN-Hülse mit der Nummer 785750 widerfahren sein: Bild, Bild, Bild).
 
Mangel M4: Dolchbajonett bzw. Dolchhaken
Dieser Mangel tritt auf, wenn bei aufgepflanztem Bajonett geschossen wird. Dies ist in der heutigen Zeit irrelevant und wird daher nicht weiter verfolgt.
 

Markierung der Verschlusshülsen mittels Elektroschreiber
Die Ersatzverschlusshülsen verliessen die Fabrik bereits vollständig gehärtet, was eine Nummerierung mittels Einschlagen der Nummer verunmöglichte. Aus diesem Grund wurden die Waffennummern mittels Elektroschreiber von Hand eingraviert (Beispiel: Bild). Es sind auch Hülsen bekannt, welche mittels einer Graviermaschine die Waffennummer erhielten.
 

Fazit
Der Spannriegelstollen muss regelmässig überprüft werden.
 
Die Verschlusshülsen müssen regelmässig auf Stauchungen und Haarrisse überprüft werden, insbesondere bei Karabiner 31 im Bereich zwischen 750000 und 850000 (Anm. des Autors: vermutlich bis 860000).
 
Eine CN-Hülse im Bereich 750000 bis 850000 (Anm. des Autors: vermutlich bis 860000) mit original eingeschlagener Nummer kann falsch gehärtet sein und sollte wie eine Mo-Hülse behandelt werden.
 
Als Faustregel gilt: ist die Hülse mittels Elektroschreiber nummeriert, dann wurde sie gegen eine Hülse aus korrekt gehärtetem CN-Stahl ersetzt.
 

Was ging weiter mit dem Bericht?
Der Bericht wurde 1956 veröffentlicht. Die Einführung eines Sturmgewehrs stand kurz bevor und so wurden keine konstruktiven Änderungen mehr realisiert. Der Zielfernrohr Karabiner 55 hat schon einige Verbesserungen in der Konstruktion erfahren und dürfte das Ende der Evolution der Schweizer Gradzug-Repetierer darstellen.
 
 
 
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