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CZ Mod. 38 (Marktbeobachtung)

Status: aktiv
 
Datum: 21.06.2022
Anlass: Webseite http://www.egun.de, eGun GmbH Deutschland
 
Verfügbarkeit: verkauft
Gebote: 36
Artikelnr.: 17971366
Verkäufer: jupitervenus
Käufer: Hannibal84
Waffe: CZ 38
Titel: CZ Mod. 38
URL: https://egun.de/market/item.php?id=17971366
 
Preis: EUR 731.50    
AVG2 (CH):   Patreon supporters only!
 
Beschreibung:
Aus dem gepflegten Bestand meiner "Roten":
 
CZ(S) Mod. 38, Zustand technisch wie auch optisch tipp-topp, keinerlei Rost oder nennens-werte Gebrauchsspuren, nur leichte vom Holstern, nicht überarbeitet mit der orig. Brünierung, nur tschechisch beschossen, Bestempelung, rechts hinten auf dem Rahmen Kreis mit CZ, E7, tschechischer Löwe, 39.
 
Auszug aus meiner selber "gezimmerten" Doku für die Erlangung der Sammlergenehmigung: „Europäische Militärpistolen 20. Jahrhundert“:
 
Entwicklungshistorie: Es ist nicht ganz nachvollziehbar, weshalb das tschecho-slowakische Militär bereits Mitte der 1930-er eine neue Militärpistole brauchte. Die erst gut vor einem Jahrzehnt strukturell eingeführte CZ(S) ‚M-24’ genügte eigentlich den Anforderungen. Sie war nicht als typ. Infanterieseitenwaffe konzipiert worden, sondern eher als Offiziers-seitenwaffe. Verglichen mit den meisten anderen kraftschlüssig arbeitenden Seitenwaffen war sie im Zeitraum technisch sogar ein echtes „Schmankerl“. Sie war deshalb aber auch relativ aufwändig herzustellen und entsprechend teuer.
 
Vermutlich war das der ausschlagende Hauptgrund, warum sich die Tschecho-Slowaken nach einer anderen Seitenwaffe umsahen. (Anm.: Der Verfasser konnte anlässlich eines internationalen Reservistenwettbewerbs diesbezüglich einen kundigen tschechischen Hauptmann befragen. Angeblich ging es dabei um freigewordene Mittel aus dem damals recht üppigen Verteidigungsetat, welcher irgendwie „verbraten“ werden musste. Diverse russische Quellen führen dagegen an, dass den Tschecho-Slowaken ihr Modell ‚24’ bzw. ‚27’ auf einmal etwas „zu unmilitärisch“ erschien. Nun - nebenan im Deutschen Reich hatte man ja im Zeitraum für die ebenfalls „teure“ ‚P. 08’ auch eine preiswertere Alternative gesucht und mit der ‚P. 38’ auch gefunden).
 
Diese Nachrüstungsmaßnahme der Tschechen – und speziell diese hielten alle maßgeblichen Schlüsselpositionen in Regierung, Verwaltung und Militär in der Hand - kann aber auch mit der damaligen politischen Großwetterlage in Zusammenhang gebracht werden: Der nach dem 1. WK auf Grund der „Pariser Vorortverträge“ (Trianon) künstlich entstandene Vielvölkerstaat Tschecho-Slowakei hatte damals mit ganz erheblichen innenpolitischen Problemen zu kämpfen. Da die Tschechen – im Gegensatz zu dem in Trianon noch propagierten multikulturellen Ausrichtung nach schweizerischem Vorbild – dann aber doch nicht bereit waren, mit ihren Minderheiten an Deutschen, Slowaken, Ungarn, Ruthenen (=Ukrainer), Polen und Juden, zusammengenommen über die Hälfte der Gesamtbevölkerung ! – die Macht entsprechend zu teilen, traten die Auswirkungen dieser Mitsprache-verweigerungen ab Mitte der 1930-er offen zutage. Die Tschechen rüsteten also auf, was das Zeug hielt ... (Anm.: Das Deutsche Reich hatte Anfang 1935 noch immer nur ein 100.000-Mann Heer, welches im Zeitraum „symbolisch“ mit drei Bataillonen gerade in das wieder zum Reich gehörende Saarland einrückte).
 
Die tschecho-slowakischen Streitkräfte – welche auf sehr gutes, meist aus heimischer Produktion stammendes Wehrmaterial zurückgreifen konnten – bediente sich auch diesmal wieder aus dem Fundus der südböhmischen Waffenfabrik in Stakonitz / Ceska Zbrojovka Strakonice (CZS). Dort hatte der tschechische Konstrukteur Frantishek Myshka – welcher zuvor bereits schon mit der Umkonstruktion des Modells CZ(S) ‚M-24’ auf die vereinfachte ‚M-27’ zugange gewesen war - eine neuartige, 9-schüssige Masseverschlusspistole entwickelt. Diese war sogar noch etwas billiger herzustellen als die ‚M-27’ und hatte darüber hinaus zwei konstruktive Eigenarten, welche die tschechische Beschaffungskommission wohl stark beeindruckt haben musste. Mittels eines Schieberiegels konnte der mündungsseitig gelenkig gelagerte Lauf zusammen mit dem Verschlussträger (Schlitten) sehr einfach für Reinigungszwecke nach oben abgeklappt werden. Und – ganz modern! – hatte diese Pistole bereits einen sog. „Nur-Spannabzug“ bzw. „Durchziehabzug“ (DAO). Das heißt, der Hahn konnte nicht wie üblich vor dem Schuss gespannt werden, sondern musste stets mit dem Abzug gespannt und ausgelöst werden. (Dieses Abzugssystem wird heutzutage gern von „unter Strom“ stehenden Cops in amerikanischen Großstädten benutzt, was ihnen hilft, mit zittrigen Fingern nicht ungewollt einen Schuss auszulösen). Auf eine Sicherung kann bei dieser Abzugsart verzichtet werden. (Anm.: Frantishek Myshka hatte bereits schon 1908 eine Spannaubzug-Taschenpistole – seine „Little Tom“ entwickelt, welche aber durch die Wirren des 1. WK erst ab ca. 1920 in größeren Stückzahlen gebaut werden konnte. 1934 konstruierte er dann eine seine erste „Nur-Spannabzug“-Taschenpistole, welche dann lange nach dem 2. WK technisch noch etwas vereinfacht wurde und als CZ-92 bis heute noch produziert wird).
 
Warum das Militär diesen damals noch unüblichen Abzug wollte, ist nicht überliefert. Hier schweigen sich die Quellen aus. Auch im 2007 herausgegebenen „1. CZ Jahrbuch“ – welches auch einige frühe Entwicklungshistorien enthält - ist nichts darüber zu finden. Es scheint, als sei es einfach eine tschecho-slowakische Intention gewesen, eine neue sehr preiswerte, militärtaugliche und robuste Seitenwaffe auf die Reihe zu bringen…
 
Wie auch immer – jedenfalls wurde die neue Seitenwaffe im Kal. 9 x 17 mm (9 mm kurz / .380 ACP) militärisch strukturell eingeführt. Mit 270 Kronen pro Stück kostete sie weniger als die Hälfte des Vorgängermodells ‚M-24’. Im Juni 1938 wurde mit der Vorbereitung der Serienproduktion für das 1. Los mit geplanten 41.000 Stück begonnen. Anfang März 1939 begann man die ersten 20 Pistolen zwecks der obligatorischen Truppenerprobung an die Streitkräfte auszuliefern.
 
Mitte März wurde dann auch die „Rest-Tschechei“ – nachdem das Sudetenland nach dem Münchener Abkommen 1938 wieder zum Deutschen Reich kam - okkupiert und in das „Reichsprotektorat Böhmen und Mähren“ umgewandelt. Damit ging u. a. auch das Ressort Verteidigung auf das Deutsche Reich über. Bis auf 7.000 wurden die 150.000 Soldaten der tschecho-slowakischen Streitkräfte nach Hause geschickt, die Pensionen für die entlassenen Offiziere bezahlte das Deutsche Reich. Ebenso wurden u. a. auch die bis September 1939 fertiggestellten, über 16.000 Stück der ‚M-38’ vom Reich bezahlt. Sie gingen hauptsächlich an den Reichsarbeitsdienst (RAD), die Organisation Todd (Entsprechung zum heutigen THW) und die Reichsluftwaffe. Im Dezember 1939 wurde sie dann strukturell als ‚P. 39(t)’ in der Wehrmacht eingeführt, wo man ihr bald – aufgrund ihres etwas drolligen Aussehens – den Spitznamen „Nussknacker“ verpasste. (Anm.: Anscheinend hatten die Tschecho-Slowaken sie zuvor auch schon so genannt. „Louskáček“ heißt „Nussknacker“ – und über Sudetendeutsche und übergelaufene Tschecho-Slowaken geriet dann der Begriff später so in die Wehrmacht).
 
Die weitere Produktion der ‚P.39(t)’ wurde dann aber eingestellt. Sowohl das Heereswaffenamt wie auch die Truppe fanden das Modell nicht so toll. (Die Vorgänger-modelle CZ ‚M-24’ und ‚M-27’ waren dagegen sehr beliebt).
 
Wenn beim „Pistole freimachen“ z. B. der „Nussknacker“ unachtsam aus der Pistolentasche gezogen wurde, konnte es passieren, dass der Entriegelungsschieber für das Zerlegen mit dem Daumen betätigt wurde. Bei einem Zielanschlag mit etwas Schwung konnte dann der Verschluss nach vorne aufklappen und wegfliegen. (Anm.: Diese Eigenschaft wurde von Spaßvögeln bei der Reichsluftwaffe sogar „speziell“ eingeübt, um dann zu vorgerückter Stunde stark bezecht zwecks allgemeiner Belustigung „Lampenabschüsse“ bühnenreif zu inszenieren) ...
 
Für ihr eher schwaches Kal. 9 x 17 mm war diese Masseverschluss-Pistole mit einem Gewicht geladen von ca. 1 kg recht schwer. Sehr beliebt war sie in der Wehrmacht jedenfalls nicht; jeder versuchte irgendwie, das Teil möglichst schnell wieder loszuwerden und gegen etwas anderes einzutauschen.
 
Doch halt: Die Finnen hatten doch schon immer irgendwie eine Schwäche für exotische Seitenwaffen gehabt! So auch in diesem Fall: Auf ausdrücklichen Wunsch hin bekamen sie ca. 1.700 Stück bis September 1940 geliefert. Strukturell eingeführt als ‚9,00 pist/39 tsekk.’ hat diese sich dann im sog. Fortführungskrieg 1941 – 44 hervorragend bewährt! Sie war so einfach aufgebaut, dass ihr der arktische Frost praktisch nichts anhaben konnte. Auch die Bulgaren wurden mit der CZ ‚M-38’ bedient: Sie bauten das ulkige, aber preiswerte Teil nach der strukturellen Einführung in Eigenregie einfach auf Normalabzug um und integrierten zusätzlich dazu eine manuelle Sicherung. Ob die Bulgaren und Finnen ihren „Nussknackern“ auch einen Spitznamen verpassten ist leider nicht überliefert...
Quelle: eGun GmbH Deutschland (http://www.egun.de)
 
Disclaimer zur Marktbeobachtung
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